Eiszeit für Feinsteinzeug

Eiszeit für Feinsteinzeug im Außenbereich

Er ist der Leiter der Anwendungstechnik, nicht etwa von einem Hersteller für extrudierte Keramik, sondern vom Bauchemieanbieter Dyckerhoff Sopro – Volker Aderhold – und er hat eine Forderung: Feinsteinzeug ist als Bodenbelag im Außenbereich offiziell auszuschließen.
In der Februar- Ausgabe der Fachzeitschrift „Fliesen und Platten“ konnte sie jeder lesen, die klare Forderung von Volker Aderhold, bei einer Häufung von Schadensfällen im Außenbereich Feinsteinzeugbeläge betreffen. „Man kann nicht immer nur die Bauchemie in die Verantwortung nehmen. Auch die Keramik trägt einen technischen Teil zum Gelingen einer Bodenverlegung bei“, so die feste Überzeugung des Dyckerhoff Anwendungstechnikers. Volker Aderhold hat Recht, denn die mit einer Restfeuchte von 15% aus einem Tonstrang geformten (=extrudierten) Platten oder flachgezogenen Steinplatten unterscheiden sich in den Anwendungseigenschaften im Außenbereich, erheblich von den aus Nahezu trockenem Granulat unter hohem Druck in Form gepressten Steinzeug- oder Feinsteinzeug. Bei STRÖHLER gibt es seit jeher ein klares Motto: Das „a“ von Platten steht für das „A“ von Außen; das „i“ von Fliesen steht für das „I“ von Innen.

Frostbeständigkeit: Norm und Wirklichkeit

Dauerhaft witterungsbeständig muss ein Bodenbelag im Außenbereich sein, Eine sorgfältige und fachgerechte Verlegung sind dafür ebenso Grundvoraussetzung wie die Frostbeständigkeit der Keramik selbst. Um das Qualitätsmerkmal „frostbeständig“ zu erhalten müssen keramische Fliesen und Platten der Prüfnorm DIN-EN 202 entsprechen. In fünfzig simulierten Frost- und Tauwechseln von +15°C bis – 15°C wird geprüft, ob die Keramik, innerhalb der Testzeit von 100 Stunden, Temperaturschwankungen von 30°C im Labor standhält. Doch die Wirklichkeit bringt wesentlich härtere Prüfungen. Nach der Meinung von Keramikexperten ist der Labortest nicht vergleichbar mit den wirklich auftretenden Alltagsbedingungen: gerade bei Sonneneinstrahlung im Winter oder plötzlichen Hitzegewittern im Sommer können innerhalb kürzester Zeit extreme Temperaturschwankungen bis zu 70°C auftreten. Auch für Manfred Herbst, Anwendungstechniker bei STRÖHER, sind nicht extreme Minusgrade, sondern häufige, rasche und deutliche Temperatur-Schwankungen die Herausforderung an der Feinsteinzeug, aufgrund seiner materialspezifischen und verlegebedingten Eigenschaften, im Außenbereich oft scheitert. Das Prüfverfahren nach DIN-EN 202 ist, gerade bei Feinsteinzeugbelägen im Außenbereich, kein Garant gegen Schadensfälle.

Argumente: Drei Gründe, die ausreichen

Feinsteinzeug hat aufgrund materialspezifischer und verlege bedingter Eigenschaften im Außenbereich nichts zu suchen: „Eiszeit“ für Steinzeugfliesen!

Rückseitenbeschaffenheit

Die Rückseite einer Feinsteinzeugfliese hat, im Gegensatz zu einer extrudierten Platte, eine sehr dicht geschlossene, teilweise sogar verglaste Oberfläche, die nur eine ungenügende Verzahnung mit den Verlegehilfsstoffen ermöglicht. Selbst die aufwendige Verlegemethode des Floating – Buttering – Verfahrens, bei der Dünnbettmörtel sowohl auf die Ansetz- oder Verlegefläche als auch auf die Rückseite der keramischen Bekleidungsstoffes aufgetragen wird, erzielt keine 100% vollflächige Vernetzung. Es entstehen Hohlräume, in denen sich Feuchtigkeit einlagert: Aufgefrieren wird die Folge sein.

Porengefüge

Bei dem für die Herstellung von Steinzeugfliesen notwendigen Pressen des trockenen Tongranulats entsteht im Scherben eine ungeordnete, chaotische Teilchenstruktur mit Hohlräumen , die eingedrungenes Wasser lange speichern. Bei der stranggezogenen Platte hingegen ermöglichen größere Kapillarkanäle, die auf die homogenere Teilchenausrichtung des Scherbens durch die das Strangziehen zurückzuführen sind, dass in der Platte eingedrunges Wasser auf dem schnellsten Wege wieder abgeführt wird: Frostschäden können nicht auftreten.

Wasseraufnahme

Die Praxis hat gezeigt, dass, obwohl gerade Feinsteinzeugfliesen im Gegensatz zu extrudierten Steinzeugplatten sehr resistent gegen Wasseraufnahme sind und auch in vollem Umfang den Anforderungen der DIN-EN 202 Prüfnorm gerecht werden, bei der Verlegung im Außenbereich auffallend häufig Frostschäden entstehen. Der Grund dafür ist, dass die geringe Wasseraufnahmefähigkeit von Steinzeug- und Feinsteinzeugliesen auch eine geringe Wasserabgabefähigkeit in sich birgt. Selbst eine kleine Menge an angestautem Kondenswasser, das sich aufgrund der Verlegeeigenschaften gebildet hat, kann auf keinem natürlichen Weg mehr entweichen – und sprengt sich deshalb den Weg durch die Fliese.

24.01.2008
Quelle:
http://www.stroeher.de

 

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